40 Stunden Libanon

9. Dezember 2010; Freitag frueh, 0.30 Uhr

 

Abflug mit Flydubai – hatte 3 Sitze fuer mich und konnte so wunderbar schlafen – Ankunft zu frueh um 2 Uhr in Beirut, war um 3 schon im netten Hotel – klappte bestens. Auffallend auf dem Weg dahin ueberall die Polizeiposten – aber wie mir gesagt wurde ist das einfach vorbeugend um solche Unruhen wie sie bis in die 90er Jahre vorherrschten schon im Kein zu ersticken – es wirkte nicht bedrohlich auf mich, etwas fremd halt. Nach 4 Stunden Schlaf holte mich der gebuchte Fahrer von Lebanontaxi puenktlich um 7 ab – und los gings. Um halb 9 war ich schon der erste Besucher in der Umayyiden-Stadt Anjar – eines der ersten Beispiele islamischer Baukunst mit stark byzantinischen Einfluessen (also ca 8.Jhdt)- und das alles idyllisch umgeben von einem Pinienwald. Nicht nur hier auch spaeter in Beirut wurde mir klar, dass Libanon am Mittelmeer liegt – die Aehnlichkeiten zu Italien sind frapierend – die Haeuser in Beirut auch an Oesterreich erinnernd, aber auch die Emmilia Romagna ist oft optisch aehnlich. Weiter gings nach Baalbek (roemische Colonia Heleopolis) – auch da kaum Touristen – hatte einen guten Fuehrer, er fuehrte mich durch die unglaublich gut erhaltene Siedlung – da fange ich gar nicht erst an zu erzaehlen – Aegypten/Byzanz/Hellenistisch/Arabisch... Ua. Auch der groesste bekannte und erhaltene Einzeltempel der Roemer (der Bacchustempel ist fast so gross wie das Pantheon in Athen) – gewaltig. Bei der Freilegung hatte auch hier Wilhelm der II seine Finger im Spiel, 1898 war er da (was ich auch schon in Damaskus sah, wo die Deutschen ua. ein Saladingrab finanzierten und heute noch aussteleln) Die Anlage umfasste die weltgroessten Gesteinsbloecke, viele um 800 Tonnen schwer. Unweit der Anlage der wohl groesste transportierte Stein der Welt, der es aber nicht zur Anlage schaffte und neben dem Steinbruch liegenblieb (1242 Tonnen) – diesen konnte ich beklettern. Weiter gings ins Beekatal – im auswaertigen Amt heisst es da man muesse aufpassen – es ist Hisbollahhochburg – aber rundum wurde mir bestaetigt dass diese harmlos sei – wenn dann geht die Aggression gegen Israel – aber eigentlich ist die Gegend komplett friedlich – wissend das sowas auch schnell aendern kann sprach ich mit vielen und alle bestaetigten, dass es diese Tage problemlos ist – mein erster Fahrer war Schiite, tags darauf hatte ich einen Suuniten; a propos: Dieses Gemisch an Religionen und Menschen: Armenier die vorden Tuerken anlaesslich des 1915 Massakers fluechteten (viele heute noch arm), ich sah Nomadensiedlungen auf dem Land (verdingen sich bei den Bauern); es gibt 17 anerkannte Religionen (wozu das Juedentum nicht zaehlt, auch wenn eine Synagoge renoviert wurde und es einige im Libanon gibt), ua die Drusen, verschiedenste Muslimgruppen, alle moeglichen Christentuemer (armenisch-katholisch, armenisch-apostolisch, protestantisch), am verbreitesten die maronitischen Christen (muss per Gesetz das Staatsoberhaupt stellen), der Regierungschef ist sunnitischer Muslim, der Parlamentspraesident schiitischer Muslim, dazu muss der Oberbefehlshaber der Armee ein Christ sein – welch Konstrukt - Libanon hat eine parlamentarische Demokratie.

 

 

Gut – weiter gings zu ner kurzen Fuehrung in einem der bekanntesten libanesischen Weingueter (Ksara Vinery) – seit dem 3. Jahrtausend vChr gibt es Weinbau im Land, die Phoenizier brachten ihn. Seit 1857 dann moderner Weinbau durch Jesuitenmoenche (eben in Ksara) – nach dem Buergerkrieg der 1990 endete wurde alles nach modernsten Grundsaetzen fortgefuehrt und heute sagen viele dass die Qualitaet an die vieler Franzosen heranreicht. Der Weinkeller mit fast 100 jaehrigen Flaschen war beeindruckend.

 

 

Weiter gings durchs Gebirge, wo wir hervorragend assen – viel frische Tomaten, Gurken, tolles Brot, Huehnerleber, was da eine Spezialitaet ist- nach Byblos am Mittelmeer – eine der aeltesten staestischen Siedlungen der Welt – die Phoenizier waren schon im 5. Jahrtausend vChr da. Man findet aegyptische Ueberreste, einen wunderschoenen Hafen, eine Kreuzfahrerfestung, roemische/byzantinische Ueberreste; hier entstand die Byblosschrift/Keilbuchstaben; die Papyrusrollen; sie tauschten mit Aegyptern Marmor gegen Holz; ausserdem ein schoener Souk und ein kleines Wachsmuseum, der Modelleur sitzt selber hinter der Kasse – ich lobte ihn fuer die detailgetreue Darstellung vieler historischer Begebenheiten die Libanon durchlebte. Von da gings durch ein paar nette Staedtchen zurueck nach Beirut. Wowww.

 

 

Abends liess ich es mir nicht nehmen, die MusicHall aufzusuchen – hier pulsiert das Leben – ausverkauft – wie ein altes Kino, mit Vorhang – alle 20 Minuten tritt eine andere Band auf, teils Folklore, teils Shakira (WaWaka), teils Samba; Highlight eine Opernsaengerin die Forever Young auffuehrte – WOWWW – dazu goennte ich mir ein Glas Ksarawein und kleine Snacks. Die Libanesen sprangen von Ihren Plueschsesseln und tanzten was das Zeug hielt. Erst gegen 3 morgens endete dieser eindrucksvolle Tag.

 

 

Bereits 7.30 machte ich mit Tarek ab – er ist ein Freund eines Libanesen den wir die Woche zuvor in Dubai kennenlernten – wir luden noch einen Freund von ihm ein und fuhren los – Tarek ist verantwortlich fuer Pegasus Air (fliegen Basel-Beirut mit Kurzstopp in Istanbul) und arbeitet fuer den groessten Tourveranstalter – er war schoen ueberall und promotet Libanon in der Welt, ua. war er auch schon in Deutschland; vor 6 Wochen waren Vertreter der deutschen Presse eingeladen (Sueddeutsche, Spiegel, FAZ ua.) die er herumfuehrte – also ein erstklassiger Begleiter mit dem ich mich anfreundete ueber den Tag – auch 35 Jahre alt, macht taeglich Sport, studierte und liebt Geschichte. Ein cooler, smarter Typ. Gingen in ein franzoesisches Kaffee fruehstuecken um dann in die Berge zu fahren, vorbei an Jeita, einer Tropfsteinlandschaft die leider wegen Hochwasser zu war (im Laufe der Nacht und des Tages ereigneten sich die heftigsten Stuerme seit Jahren – mein Heimflug stand auf der Kippe) hinauf nach Harissa, wo eine 15 Tonnen schwere Statue der Maria steht, man hat einen wunderbaren Blick auf die Mittelmeerkueste – 1997 war der Papst auch da. Weiter gings hinauf ins Skigebiet – normalerweise liegt hier schon Schnee – Tarek redete immerzu davon, dass er sich Schnee wuenscht – und es ist nicht zu glauben, im Gebiet das leicht an die Schweiz erinnert, fing es ploetzlich an, im Nu lagen 2cm. Dabei immer ein Blick aufs Meer, faszinierend. Wir stoppten in einer – in der Schweiz wuerd man sagen Almhuette – es gab sowas wie Flammweihe ausem Holzofen, frischen Joghurt und Cola – wir hatten 7 Waehen und es kostete – umgerechnet 5 EUR. Der Chef trug einen St Moritzpulli, es war auch kalt. Dann zurueck nach Beirut – schauten uns die ehemals starkt bestaetigte Innenstadt an – SENSATIONELL was in so kurzer Zeit daraus wurde – man koennte vom Boden essen, die Einschuesse teils noch sichtbar aber wunderschoen renoviert ein mehrere Quadratkilometer grosser Innenstadtbereich – der ueber 2000 Jahre alte Souk komplet modern neu gemacht aber passend; roemische Baeder die freigelegt wurden, der Palast, das Maertyrerdenkmal, die Gedenkstaette fuer den ermordeten Hariri, die Moschee daneben – undundund... Dazwischen mal ein Falafelsandwich. Komm echt ins Schwaermen, aber bevor das anfaengt belass ich es dabei.

 

 

Der Flug startete bei Sturm um 19.45 Uhr und kurz nach 1 heute Morgen landete ich wiederum ausgeschlafen auf 3 Sitzen, in Sharjah.

 

 

 

 

40 Stunden Libanon – ich bin beeindruckt!

 

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